Info Schöttergärten

Auszug aus dem Pressearchiv der Hansestadt Lüneburg

Schottergärten verstoßen gegen Baurecht – Stadt setzt auf Aufklärung und will Gartenbesitzer zum Umdenken bewegen (27.08.2019)

(sp) Lüneburg. Graue und weiße Kieselsteine anstelle von Bäumen und bunten Blumen: In immer mehr Lüneburger Gärten sind Steinen das dominierende Gestaltungselement. Eine problematische Entwicklung, wie Yvonne Hobro aus der städtischen Bauverwaltung jetzt im Bauausschuss deutlich machte. Denn ökologisch und klimatisch seien die sogenannten Schottergärten eine Katastrophe. „Die Steinflächen bieten nicht nur einen trostlosen Anblick, sie sind auch für die Tier- und Pflanzenwelt wertlos, verhindern eine flächige Versickerung von Wasser und heizen sich im Sommer auf“, fasste Hobro die entscheidenden Nachteile zusammen. Was viele Bürgerinnen und Bürger nicht wissen: Die Steingärten verstoßen außerdem gegen Baurecht. Denn § 9 der Niedersächsischen Bauordnung schreibt vor, dass alle nicht überbauten Flächen auf einem Grundstück als Grünflächen anzulegen sind, erklärt die Juristin Hobro. Davon ausgenommen seien Zuwegungen sowie Flächen zum Parken oder für ein Gartenhaus.

„Wir könnten also schon jetzt dagegen vorgehen und Besitzer von Schottergräten auffordern, die Steine zurückzubauen und die Flächen zu begrünen“, so Hobro.

Statt mit Kontrollen und Druck will die Stadt allerdings zunächst auf Aufklärung und Freiwilligkeit setzen. „Wir möchten für das Thema sensibilisieren und den Bürgern erklären, wieso jede einzelne Grünfläche so wichtig ist und dass jeder hier seinen Beitrag für Klima- und Umweltschutz leisten kann“, so Oberbürgermeister Ulrich Mädge im Bauausschuss. Geplant sei, das Thema Gartengestaltung auch verstärkt in Ortsräten und bei Bürgerversammlungen anzusprechen sowie Gartenbesitzer direkt anzuschreiben.

Auch müsse künftig stärker im Blick behalten werden, ob die Vorgaben zur Gartengestaltung, die in den Bebauungsplänen gemacht werden, auch von den Eigentümern umgesetzt werden, etwa zum Pflanzen von Laubbäumen und Laubhecken anstelle von Nadelgehölzen. „Wir appellieren hier an alle Gartenbesitzer, diesen so grün und so ökologisch abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, um Diversität und Artenvielfalt sowie das Klima zu fördern“, machte Mädge abschließend deutlich.

 

Quelle: Pressearchiv der Hansestadt Lüneburg

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Artikel aus der Landeszeitung zu diesem Thema:

Grün statt Steinwüsten

Politik diskutiert erneut das Thema Schottergärten. Mehrheit setzt auf freiwilliges Umdenken
Von Antje Schäfer
Lüneburg. Kieselsteine in verschiedenen Grautönen und dazu Platten dominieren die sogenannten Schottergärten. Auch in Lüneburg sind sie auf dem Vormarsch, wie nicht nur Umweltverbände und Verwaltung durchaus kritisch beobachten. Denn sie bieten im Gegensatz zu begrünten Gärten vielen Vögeln und Insekten keinen Lebensraum, heizen sich zudem im Sommer stark auf. Schlecht fürs Stadtklima. Ulrich Blanck (Grüne) machte die Steinwüsten erneut zum Thema. In der Ratssitzung forderte er, dass in Bebauungsplänen festgesetzt wird, wie viel Fläche der Vorgärten maximal befestigt werden darf. Nach ausgiebiger Diskussion wurde der Antrag zur weiteren Diskussion in den Bauausschuss überwiesen. Dort wurde das Thema bereits im vergangenen Sommer verhandelt.
Festgeschrieben haben möchten die Grünen, dass maximal 50 Prozent des Vorgartenbereichs von Wohnhäusern und 60 Prozent bei Doppelhäusern und Hausgruppen befestigt sein darf. Denn alle Freiwilligkeit und der Appell, auf Schottergärten zu verzichten, fruchte häufig nicht, machte Blanck deutlich. Dazu verwies er auch auf die Stadt Erlangen, die als erste Stadt in Bayern eine Freiflächensatzung beschlossen hat, mittels derer bei Neu- und Umbauten das Anlegen von geschotterten Steingärten verboten wird.
Aus ökologischen Gründen ein Problem
Dagegen gehalten hatte bereits im vergangenen Sommer im Bauausschuss Yvonne Hobro von der Verwaltung, dass Festsetzungen in Bebauungsplänen zu Grünanteilen kontrolliert werden müssten. Das sei personal- und kostenintensiv. Für Blanck kein Gegenargument zur Forderung der Grünen: Die Kontrolle und Erfassung der versiegelten Flächen müsse ohnehin zur Berechnung der getrennten Abwassergebühr erfolgen. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen plädierte für die Überweisung in den Fachausschuss, 39 der 40 Ratsmitglieder votierten dafür.
Birte Schellmann (FDP) erklärte, der Antrag habe Berechtigung, weil Schottergärten aus klimatischen und ökologischen Gründen ein großes Problem sind. Aber es gebe bereits die klare Vorgaben durch die Niedersächsische Bauordnung, wie nicht bebaute Flächen begrünt sein müssten. Darauf sollten Eigentümer hingewiesen werden.
Eine weitere Reglementierung fanden neben der FDP-Politikerin auch Dirk Neumann (AfD), Carmen Maria Bendorf (SPD), Heiko Meyer (parteilos) und Michèl Pauly den falschen Weg. Sie appellierten an freiwilliges Umdenken und Eigenverantwortung der Bürger. Gleichzeitig gelte es, die Bürger für grüne Gestaltung der Gärten zu sensibilisieren. Bereits bei der Sitzung des Bauausschusses im August 2019 hatte Stadtbaurätin Heike Gundermann deutlich gemacht: Jeder Schottergarten ist ein Minus für die Klimabilanz. Im Rat sagte sie jetzt: „Ich möchte ihre Erinnerung auffrischen. Bei der Beratung im August waren sich alle Fraktionen einig, auf Freiwilligkeit zu setzen.“ Die Stadt habe dann auch Faltblätter erstellt zum Thema Gartengestaltung und in den Ortsräten vorgetragen. Seit Ende des vergangenen Jahres sei in jeder Baugenehmigung der Passus enthalten, dass alle nicht überbauten Flächen Grünflächen sein müssen.

Quelle: Lüneburger Landeszeitung vom 06.06.2020 (Seite 4)